Die kleine Stimme.. 

Und ich baue Mauern und Türme.  Verstecke mich in einem Schloss, bestehend aus Wolken um meiner Realität immer mal wieder zu entfliehen.  Der Garten bestehend aus wunderschönen Rosen und einem saftigen grünen Rasen. Ein riesiger Kirschbaum hat es sich neben einem kleinen Teich gemütlich gemacht.  Und dort sitze ich und beobachte Libellen, die ihre Kreise ziehen. Drum herum riesige Mauern, die dort stehen damit niemand einfach so hereinkommen kann. Und ich stelle mir die Frage was wohl jenseits dieser Mauern liegt.  Es ist die kleine Stimme in meinem Herzen die es so gerne wissen möchte.  Aber nein, mein Kopf möchte hier bleiben.  „wir haben hier alles was wir brauchen“,sagt der Kopf.  „dort draußen gibt es Dinge auf die du nicht vorbereitet bist“. Ich nicke… Der Kopf hat nämlich immer recht. 

Manchmal öffnen sich die Tore und dann werden Partys gefeiert.  Nur wenige Leute haben ein Gesicht, die meisten sind Verschwommen. Und auch ich bin es. Sehe ich in den Spiegel erkenne ich mich nicht. Männer fordern zum Tanz auf, und so tanze ich. Ich tanze die ganze Nacht, betrunken von der Nacht und der Atmosphäre.  Sie machen mir Komplimente und ich fühle mich geschmeichelt.  Oh,wie nett sie sind.  Doch bevor ich mich zu etwas verleiten lasse, höre ich wie die kleine Stimme flüstert „wie schnell hast du vergessen?“  „Vergessen?“,  lacht der Kopf.  „Dich werden wir vergessen, es braucht nicht viel und dann bist auch du vergessen“. Ich nicke…  Der Kopf hat nämlich immer recht.  

Ich fühle wie ich die Treppe hochschwebe, oder torkel ich?  An meiner Hand ein Mann.  ‚Wie war noch sein Name?‘ denke ich, aber als ich ihm ins Gesicht sehe,wird mir klar das dies nicht wichtig ist. Denn auch er kennt meinen nicht. Er sagt etwas was ich nicht verstehe und ich lache einfach nur.  Warum ein Gespräch beginnen an das wir uns beide morgen nicht mehr erinnern werden. Warum nach einem Namen fragen, wenn er nichtmal ein Gesicht hat… Ich stehe nun vor einer Tür, die er öffnet und ich sehe ein Schlafzimmer.  Ich frage mich wo die kleine Stimme ist doch der Kopf sagt „die? Die brauchen wir nicht!“  ich nicke…  Der Kopf hat nämlich immer recht. 

Ich werde wach und spüre den Schmerz in meinem Kopf.  Dieses böse pochen, das sich anfühlt als würden Zwerge mit einem Hammer darin arbeiten um den gestrigen Abend vergessen zu machen. Es dauert einen Moment ich registriere was gestern passiert ist. Die drehe meinen Kopf und sehe das die andere Seite des Bettes leer ist. „Warum hast du das nur gemacht?“,  höre ich die kleine Stimme vorwurfsvoll fragen.  „Weil es lustig war!“ rechtfertigt sich der Kopf. Doch die kleine Stimme wird lauter und sagt „lustig ist etwas anderes, du solltest dich schämen!“  und ich schäme mich. Verbringe die nächsten Tage auf dem Rasen und bade in schlechtem Gewissen.  „Heute Abend öffnen sich die Tore und wir sind mit dabei“,  feiert der Kopf.  Ich bin skeptisch.  „hältst du das für eine gute Idee?“, frage ich.“Die kleine Stimme sagt wir sollten besser Zuhause bleiben“  „ach nun komm schon“,sagt der Kopf „das wird lustig werden, du wirst schon sehen“. Ich nicke…. Der Kopf hat nämlich immer recht… 

Die Abende verstreichen und die Zeit rennt davon.  Ich stehe wieder inmitten dieser gesichtslosen Leute, die sich so unbeschwert zu dem Takt der Musik bewegen.  Sie lachen und flirten wo sie nur können.  „glaubst du wirklich das auch nur einer von denen wirklich glücklich ist?“, fragt mich die kleine Stimme.  „zumindest wollen sie es für ein paar Stunden sein“,  antworte ich und hebe das Glas um es mit einem Zug zu leeren.  Ich verschwimme langsam und werde eins mit meinem Umfeld. Ich stelle mir die Frage ob ich wohl morgen wieder ein schlechtes Gewissen haben werde.  Aber dann sehe ich etwas.  Jemanden… Er steht zwischen all diesen Menschen und ist klarer als jeder andere. Er ist nicht Verschwommen!  Er steht dort und beobachtet mich. ‚Sollte ich wohl zu ihm gehen‘,frage ich mich und mein Kopf ermutigt mich “ Oh ja unbedingt, heute nimmst du jemanden mit aufs Zimmer „.. Also gehe ich zu diesem Mann  und versuche es mit Smalltalk.  Doch er reagiert nicht. Ich biete ihm einen Drink an, doch auch das will er nicht.  Ich bitte um einen Tanz, auch das lehnt er ab. „verschwinde“, sagt der Kopf „es gibt hier genug Typen“  doch ich will nicht gehen. Er ist so anders und ich will seine Aufmerksamkeit.’Was mache ich denn nur falsch?‘  „Du dummerchen“  antwortet die kleine Stimme „geh zu ihm und nenn ihm deinen Namen.“ ’schlimmer kann es nicht mehr werden‘, denke ich und gehe zu ihm und nenne ihm meinen Namen.“Ich heiße Laurin“, sage ich schüchtern.  Er dreht seinen Kopf und schaut mir direkt in die Augen. „Ich spreche nicht mit Menschen ohne Gesicht“, sagt er.. Ich bin geschockt,  und gehe so schnell ich kann zu einem Spiegel.  Und als ich reinsehe, sehe ich mich nicht. Ich bin wie all die anderen,  Gesichtslos! Als ich mich umdrehe ist er weg. Und ich allein zwischen all diesen Menschen. „Lass uns ins Bett gehen“, sagt die kleine Stimme. „Wir gehen ins Bett, wenn du dir diesen großen dahinten geschnappt hast“, antwortet der Kopf.  Ich bin niedergeschlagen und nicke… Der Kopf hat nämlich immer recht.  

Am nächsten Morgen, gehe ich wieder in den Garten.  Ich bin alleine ‚denn das bin ich ja immer‘,denke ich.  „…und du bist es gerne!“ verbessert mich der Kopf.  Ich bin traurig und nicke…  Der Kopf hat nämlich immer recht.  

Eine weitere Party, eine weitere Nacht ohne Schlaf und ein weiterer morgen allein sein.  „das ist richtig so!“, meckert mein Kopf „stell dich nicht so an!“ Mir kommen die Tränen und ich nicke… Denn der Kopf hat immer recht.  

Ich kann die Nächte nicht mehr zählen, kann die Männer nicht mehr zählen.  Die kleine Stimme sagt nichts mehr, sie weint nur noch. Und auch mir ist zum weinen zumute.  „komm ein Drink und alles ist wieder beim alten“, versucht mich der Kopf zu locken.  „nein heute nicht“, sage ich und verlasse den Raum mit den gesichtslosen Leuten und gehe in den Garten.  Draußen sitze ich und schaue auf mein selbst gebautes Schloss welches aus Wolken besteht.  Diese sind dunkler geworden.  Ich bin traurig und weine mit der kleinen Stimme zusammen. „Darf ich mich zu dir setzen?“, höre ich eine Stimme sagen. Ich Blicke auf und sehe den Mann der nicht Verschwommen ist vor mir stehen.  Ich nicke schüchtern und wische mir die Tränen weg, weil mein Kopf sagt das es peinlich ist wenn man vor jemandem weint. „Laurin heißt du also..“, sagt er. „dann erzähl mir mal von dir.“ Mein Kopf warnt mich es nicht zu tun aber ich kann nicht anders.  Ich beginne zu weinen und erzähle ihm einfach alles. Er sitzt ganz ruhig neben mir und hört mir zu. Als ich fertig bin sagt er „möchtest du denn hier so weiter leben? In diesem optisch schönen Schloss, was du bautest um vor dir selbst zu flüchten und der Realität..?“ Die kleine Stimme hört auf zu weinen und schöpft Hoffnung.  Der Kopf ist ausser sich vor Wut und beginnt mich wüst zu beschimpfen.  „Soll ich dir die Welt jenseits dieser Mauern zeigen?“, fragt er mich. Ich bin mir nicht sicher. Aber so wie es ist will ich es nicht mehr. Wir gehen gemeinsam zum Tor.  „Alles was du tun musst ist sie öffnen und ich verspreche dir, ich werde deine Hand nicht loslassen bis du dich selbst gefunden hast“,sagt er und sieht mich an. Mein Kopf schreit mich an, das ich sofort wieder zurück gehen soll. Aber ich öffne stattdessen das Tor und sehe ihn an. „Bereit“, fragt er mich. ‚bin ich bereit? ‚, frage ich die kleine Stimme.  „Du bist bereit“,  sagt sie.  Ich nicke…  Denn dieses mal hat die kleine Stimme recht.  

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